Die Geschichte der

"Nordhäuser Schützenkompanie von 1420 e.V."
 
Fast 600 Jahre "Nordhäuser Schützenkompanie 1420", eine Tradition, die weit in das 13. Jahrhundert zurückreicht und somit zählt die Nordhäuser Schützenkompanie mit zu den ältesten Schützenvereinen Deutschlands. Unabhängig von der Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen und deren Vereinigungen (Innungen, Zünfte) bildeten die Bürger im 13. Jahrhundert unter dem Einfluß der Kirche auch verschiedene geistliche und weltliche Interessengemeinschaften, sogenannte Brüderschaften. In den mittelalterlichen Städten waren alle Vollbürger verpflichtet zu Dienst mit der Waffe, um gemeinsam die Stadt gegen Feinde verteidigen zu können. Unter ihnen gab es auch einige Schützen, die besonders das Handwerk mit der Waffe üben wollten. Sie bildeten ihre eigene Bruderschaft, die der Pfeilschützen. Wie auch andere Vereinigungen hatten die Schützen ihr eigenes Kirchengerät, ihren eigenen Schutzheiligen, Fahnen und Prozessionsstangen, eine Sterbekasse, führten eigene Gottesdienste durch, besaßen eine eigene Satzung, der sich jeder bei Strafe unterzuordnen hatte. Wer Mitglied werden wollte, mußte eine Aufnahmegebühr entrichten und einen Jahresbeitrag zahlen. Diese Schützenbruderschaft in Nordhausen, wie auch viele andere Schützenbruderschaften anderer Orte, waren dem heiligen Sebastian geweiht, der ihr Schutzheiliger war. Der heilige Sebastian war römischer Krieger, der im Jahre 290 mit glühenden Pfeilen hingerichtet wurde, weil er den christlichen Glauben nicht abschwor und im 4. Jahrhundert als Märtyrer heilig gesprochen wurde. Der Sebastiansschmaus vieler Schützenvereinigungen erinnert an den Todestag am 20. Januar. Da die Angehörigen der Bruderschaft über die ganze Bürgerschaft hin verteilt waren, ist daraus ersichtlich, daß sie ihre Bruderschaft nicht bei einer städtischen Kirche, sondern bei den Dominikanermönchen in der Predigerstraße hatten. Die erste urkundliche Erwähnung der Sebastiansbruderschaft geschah vor fast 600 Jahren, am 13. September 1420. An diesem Tag nimmt der Provinzial der Predigermönche in der Provinz Sachsen, Bruder Robertus, Professor der Theologie in Marburg, die fromme Pfeilschützenbrüderschaft zu Nordhausen - devota civitatis northusen sagittariorum fratemitas - in die Bruderschaft seines Dominikanermönchsordens auf und sichert ihr die Teilhaftigkeit an allen Messen, Vigilien, Predigten, Fasten, Gebeten usw. zu, auch soll für deren Seelen in dem Provinzialkapitel gebetet werden, wenn der Tod eines Mitgliedes dorthin gemeldet ist. Mit der Aufnahme in den Provinzialverband der Dominikanermönche ist natürlich auch die enge Verknüpfung mit dem Lokalkloster der Predigermönche verbunden. Durch manche milden Gaben vergalten die offenbar zumeist aus wohlhabenden Kreisen der Bürgerschaft stammenden Schützen den Mönchen ihr Entgegenkommen. So bekennen der Prior Albrecht Kinderlin und die anderen Predigermönche zu Nordhausen am Heiligedreikönigsabend (5. Januar) 1421, daß die Schützen Dietrich Hüsener, Günther von Berge, Klaus Wandereyse, Konrad Görteler, Henning Etzenborn, Hans Dete nebst anderen Mitgliedern dieser Gesellschaft Gott zum Lobe und zur Ehre der heiligen Jungfrau Maria und des heiligen Sebastians inmitten ihrer Kirche eine Kerze von 30 Pfund Wachs aufgestellt haben, welche jedes Jahr erneuert werden soll. Dieser Brauch wird auch heute noch in der Alpenregion zum Sebastianstag durchgeführt. Aus dem ganzen 15. Jahrhundert sind die mannigfachsten Stiftungen von ihnen überliefert. Nicht nur die gesamte Brüderschaft spendete reichlich, sondern auch einzelne. Der Schützenmeister Kurt Friedrich spendete 1428 während einer Krankheit 15 Rheinische Gulden, jährlich 12 Scheffel Kornzinsen und 2 Gulden für einen weiteren Marktscheffel. Die Brüderschaft besaß unter anderem mehrere Amtsröcke (Cafalen) für Priester, mehrere Überröcke (Levitenröcke) für die bei den heiligen Handlungen Bediensteten, zwei Kelche, von den einen die ganze Brüderschaft und den anderen Hans Mühlhausen gestiftet hatte, dazu vergoldete Spangen und mehrere kostbare Altartafeln. Die Schützenbrüder hatten sich aber auch zur Ausbildung in der edlen Schießkunst und zur Begehung fröhlicher Schützenfeste zusammengeschlossen. Ihre Schießübungen führten sie im "Armbrustgraben" durch, dem Teil des Stadtgrabens, der sich vom Töpfertor nach Norden erstreckte, wo sich heute die Promenade befindet. Die Waffen der Schützenbrüderschaften waren in älterer Zeit Pfeil und Bogen. Die Armbrust gewann erst im 13. und 14. Jahrhundert beim deutschen Städtebürgertum an Bedeutung. Auch ihre Schützenfeste, den sogenannten Schützenhof, feierten sie alljährlich und nahmen, um ihre Kunst auswärts zu zeigen, auch gern die Einladungen anderer Städte und Schützengesellschaften an. Die Schützenfeste waren ursprünglich ein Maienfest und das Schützengrün ist das Maiengrün. Die Feste dauerten vom 1. Mai bis zur Sonnenwende. Mit dem Königsschießen endete solch ein Schützenhof. Der Schützenkönig wurde anfänglich nur mit einem Kranz geehrt, erst später gab es Schweine, Hühner und andere Naturalien. Dieses Pfeil- und Armbrustschützenwesen nahm im 15. Jahrhundert einen lebhaften Aufschwung, dies beweisen die zahlreichen Einladungen anderer Schützengesellschaften zu denen die Nordhäuser Schützenbrüder ziemlich oft eingeladen wurden. 1459 nach Langensalza, nach Erfurt 1460, 1470, 1471, 1477, nach Mühlhausen 1482, nach Stolberg 1486, nach Sangerhausen 1491.
 
Hier einige Beispiele:
 

Aus der Zeit von 1933 bis zum Ende des 2. Weltkrieges 1945 sind mir keine Aktivitäten der Schützenkompanie bekannt. Doch ist anzunehmen, daß in dieser Zeit der Schießsport weiterentwickelt wurde, der Wehrertüchtigung und den Zielen des Systems diente. Mit dem Kriegsende kam auch das Ende der Nordhäuser Schützenkompanie. Alle Waffen mußten nach dem Kriegsende bei Strafe abgegeben werden. Deutschland wurde infolge des Krieges in vier Besatzungszonen aufgeteilt aus denen 1948/49 zwei unterschiedliche Staaten entstanden. Aus den drei westlichen entstand die BRD, und aus der östlichen (sowjetischen) Besatzungszone entstand die DDR in der diese Art Schützenwesen nicht erlaubt war. Das Schützenhaus wurde 1951 verstaatlicht und Rechtsträger wurde die Stadt Nordhausen. 1963 wurde das Anwesen der GST übertragen und diente der GST zur vormilitärischen Schießausbildung und den Kampfgruppen und der Polizei als Trainingsstätte. 1967 wurde die "Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420" in Köln im Verband der Nordhäuser Heimatfreunde durch die in den alten Bundesländern lebenden Nordhäuser zum zweitenmal gegründet, mit Sitz in Bad Sachsa. Die Kompanie war Mitglied im Dachverband "Bund Mitteldeutscher Schützen" zu denen auch Stolberg, Klettenberg und Ilfeld gehörten. Über 20 Jahre waren die Nordhäuser Gäste bei der Bad Sachsaer Schützengesellschaft, unter dem Vorsitz ihres Schützenmeisters Günter Heidergott. Dort trafen sie sich zweimal im Jahr. Am 31.3.1990 gründete sich unter Federführung von Klaus Weißbarth und anderen Sportfreunden die Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420, die dann am 10. Mai 1990 in das Vereinsregister beim Kreisgericht Nordhausen eingetragen wurde. Dem folgte am 22. April ein Freundschaftsschießen mit Sportfreunden der Northeimer Bürgerschützengesellschaft, bei dem die Nordhäuser als Sieger hervorgingen und den vom Rat der Stadt gestifteten Wanderpokal aus den Händen des amtierenden Bürgermeisters Olaf Dittmann entgegennehmen konnten. Höhepunkt war das Schützenfest am 16. Juni 1990 im Schützenhaus an der Salza. Das Sommernachtsschießen, das Silberschießen der Junggesellen-Schützen-Gesellschaft in Northeim sowie das Schützenfest der Schützengesellschaft von 1814 in Bad Sachsa waren weitere Höhepunkte dieses Jahres. Noch im gleichen Jahr nahm der Traditionsverein der Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420 von Bad Sachsa Kontakt zur neugegründeten Nordhäuser Schützenkompanie in Nordhausen auf und lud diese zum Königsschießen, welches zum 21. mal stattfand ein und man wurde sich der gemeinsamen Tradition bewußt. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990 erfolgte im April 1991 eine Einladung der Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420 der alten Bundesländer (1. Vorsitzender Jürgen Oppermann, der da nicht mehr kandidierte, neuer 1. Vorsitzender Walter Schatz aus Soest) an den Vorstand der neugegründeten Nordhäuser Schützenkompanie v. 1420 der neuen Bundesländer (1. Vorsitzender Kunze) an der Jahreshauptversammlung im Bad Sachsaer Hotel Schützeneck teilzunehmen. Im Mittelpunkt stand die Vereinigung der beiden Kompanien. Im Anschluß trafen sich die Mitglieder im Schützenheim der Bad Sachsaer Schützengesellschaft, um ein letztes Schießen durchzuführen. Die in Nordhausen neu gegründete Kompanie hatte zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 100 Mitglieder. Am 8.9.1991 war es mit der Vereinigung soweit, man traf sich im Kursaal von Bad Sachsa zu einer konstituierenden Sitzung. Erster Vorsitzender der nun wieder vereinten Nordhäuser Schützenkompanie wurde Walter Schatz. Das Anschießen am 4./5. April 1992 wurde anläßlich des Gedenkens an den Bombenabwurf am 3./4. April 1945 auf Nordhausen durchgeführt. Zu diesem Anlaß wurde von Walter Kräsel ein Pokal gestiftet. Mit der Übergabe der Vereinsstandarte wurde nun endgültig die Vereinigung der beiden Schützenkompanien besiegelt. Auch die Bad Sachsaer Schützengesellschaft mit ihrem Spielmannszug kam. Danksagend und in Verbundenheit mit den Bad Sachsaern wurde Günter Heidergott als Ehrenmitglied der Nordhäuser Schützenkompanie aufgenommen. Als Dank pflanzte er einen Baum mit dem Wunsch, daß dieser genauso wie das Schützenwesen in Deutschland gut gedeihen möge. Auch sind seit 1990 Bemühungen in Gange, das Schützenhaus und die Schießstände wieder in den Besitz der Schützenkompanie rück zu übertragen. Die Verhandlungen erwiesen sich als sehr schwierig. Im Dezember 1994 war es nun endlich soweit, da§ der Notarvertrag unterschrieben werden konnte und 1995 die Rückübertragung erfolgen konnte. Seit 1990 hat sich dank der vielen fleißigen Helfer auf dem Gelände des Schützenhauses einiges getan. So wurde der Luftgewehrstand ausgebaut, die Kleinkaliberschießanlage wurde auf den neuesten Stand gebracht und 1993 wurde ein Großkaliberschießstand errichtet. Um das Schützenhaus ist es auch sauberer geworden und eine moderne Heizung wurde eingebaut. An dieser Stelle möchte ich mich im Namen aller Schießsportinteressierten bei allen denen bedanken, die durch ihre körperliche Arbeit und bei denen, die mit finanziellen Zuwendungen alle diese Errungenschaften ermöglicht haben.
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